Kleidung für warmes Wetter entwickelt sich zu einer neuen Modebesessenheit: Der Sommer verzeiht das falsche Material nicht mehr.

Das neue Wort der Saison ist nicht nur „leicht“, sondern auch funktional.

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Pariser Herrenmodewoche, Foto: Reuters
Pariser Herrenmodewoche, Foto: Reuters
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Die Sommergarderobe wurde lange Zeit nach Farbe, Schnitt und Fotoeffekt ausgewählt. Doch immer häufiger auftretende Hitzewellen verändern die Spielregeln: Was zwar gut aussieht, aber nicht atmungsaktiv ist, hält dem Alltag immer schwerer stand. Nach heißen Wochen in europäischen Modezentren, darunter die Pariser Herrenmodewoche, wird immer deutlicher, dass Mode sich nicht nur mit Stil, sondern auch mit Temperaturen auseinandersetzen muss.

Das neue Trendwort der Saison ist nicht nur „leicht“, sondern vor allem funktional. Kundinnen und Kunden suchen vermehrt nach atmungsaktiven, schnelltrocknenden und nicht klebenden Stoffen, die einen Tag in der Stadt, auf Reisen, im Büro oder beim Ausgehen problemlos überstehen, ohne dass die Kleidung zur zusätzlichen Last wird. Deshalb rücken Leinen, dünne Baumwolle, Lyocell, Merinowolle in Sommerversionen und atmungsaktive Strickwaren wieder in den Vordergrund, ebenso wie technische Lösungen, die bis vor Kurzem Sport- und Outdoorbekleidung vorbehalten waren, berichtet Vogue.

Interessanterweise ist der Wandel nicht nur in Damenkollektionen sichtbar. Auch die Herrenmode, die sich oft nur langsam von schwereren Materialien und formelleren Schnitten verabschiedet, passt sich an. Leichtere Hemden, lockerere Schnitte, Bermudas, Poloshirts aus kühlenden Materialien und Kleidungsstücke mit UV-Schutz dienen nicht mehr nur als Wanderbekleidung, sondern als neue urbane Uniform für heiße Tage. Steigen die Temperaturen über die Komfortzone, bedeutet Eleganz, dass Kleidung dem Körper Luft zum Atmen lässt.

Große Marken experimentieren mit dünnerem Denim, feuchtigkeitsableitenden Stoffen und Oberflächenbehandlungen, die die Sonnenwärme reflektieren. Gleichzeitig besinnen sich einige Designer auf traditionelles Wissen aus Ländern, in denen Hitze seit Jahrhunderten zum Alltag gehört: feine Baumwollstoffe, Lagen, die vor der Sonne schützen, aber keine Hitze stauen, und Schnitte, die nicht eng am Körper anliegen. Diese Entwicklung ist bedeutsam, denn sie zeigt, dass die Zukunft der Sommermode nicht nur im Labor liegt, sondern auch in einer klugen Auseinandersetzung mit Tradition.

Für die Öffentlichkeit ist die wichtigste Erkenntnis einfach: „Sommer“ bedeutet nicht mehr automatisch „hitzebeständig“. Synthetische Stoffe, die zwar gut aussehen, aber nicht atmungsaktiv sind, dunkle, schwere Jeans und eng anliegende Schnitte verlieren zunehmend an Bedeutung gegenüber Kleidung, die Stil und Funktionalität vereint. In Zeiten, in denen Hitzewellen zum Alltag gehören, zeichnet sich ein gutes Sommeroutfit nicht nur durch seine ansprechende Optik aus, sondern auch dadurch, dass es uns ermöglicht, uns von morgens bis abends wohlzufühlen.

Die Mode kehrt damit zu einer sehr grundlegenden, aber oft vergessenen Rolle zurück: uns vor unserer Umwelt zu schützen. Der Unterschied ist, dass diese Umwelt nicht mehr dieselbe ist wie vor zehn oder zwanzig Jahren. Die kommenden Saisons werden sich daher zunehmend um eine Frage drehen, die einst zu pragmatisch für den Laufsteg klang: Hält das wirklich einen Sommer durch?

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