Haltung: Zwei Jahrzehnte seit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Montenegros

Dystopie der Utopie: Ökologisches Montenegro zwischen Ideal und Realität

Die Idee eines ökologischen Staates implizierte Harmonie zwischen Mensch und Umwelt, nachhaltige Ressourcennutzung und Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen. Ist diese Vision nur ein Ideal geblieben oder hat sie sich in ihr Gegenteil verkehrt?

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„Oh, es ist nicht die Schuld der Primitiven, dass sie das Fett aufgesammelt haben.“

Unkraut sprießt überall, wo es hinkommt. Das ist ganz allein sein Verdienst.

Es ist unsere Schuld. Woher kommen all diese Parasiten, die uns so zahlreich befallen haben?

„Nein, mein Schatz, es ist unsere Schuld, dass wir sie haben gehen lassen…“ (Đorđe Balašević)

Im Jahr 2006 erhielt Montenegro die Möglichkeit, die Verantwortung für die Verwirklichung der zuvor deklarierten und seit Verabschiedung der Verfassung verfassungsrechtlich verankerten Definition eines ökologischen Staates eigenständig zu übernehmen. Der Spielraum für die Übertragung von Verantwortung an föderale Institutionen wurde damit geschlossen, und es eröffnete sich die Chance für eine visionäre, nachhaltige Entwicklung mit dem Ziel, die Umweltqualität und die Lebensqualität im Allgemeinen zu verbessern.

Für den ökologischen Staat war 2006 auch ein Jubiläumsjahr: 15 Jahre nach der Verabschiedung der Žabljak-Erklärung, über die die Abgeordneten des Parlaments der Republik Montenegro in einer Freiluftsitzung abstimmten. An der frischen Luft, so viel steht fest – diesmal jedoch ohne auf die Reinheit der Absichten und Visionen einzugehen.

Diese Idee implizierte Harmonie zwischen Mensch und Umwelt, nachhaltige Ressourcennutzung und Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen. Doch zwei Jahrzehnte später stellt sich die Frage: Ist diese Vision nur ein Ideal geblieben oder hat sie sich in ihr Gegenteil – eine Dystopie – verwandelt?

Das utopische Bild Montenegros basiert auf seinen außergewöhnlichen Naturschätzen. Gebirgszüge, klare Flüsse, Nationalparks und die einzigartige Adriaküste machen es zu einer der schönsten Regionen Europas. Diese Natur ist nicht nur von ästhetischem Wert, sondern birgt auch Potenzial für die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus und einer gesunden Wirtschaft. Die Idee eines ökologischen Staates sollte ein Gleichgewicht zwischen Entwicklung und Naturschutz schaffen, in dem die Natur geschützt und die Gesellschaft gedeihen kann.

Die Realität zeichnet jedoch oft ein anderes Bild. Statt Harmonie treten immer deutlicher Konflikte zwischen wirtschaftlichen Interessen und Umweltschutz zutage. Unkontrollierte Urbanisierung, insbesondere an der Küste, hat zur Versiegelung von Flächen und zum Verlust authentischer Landschaften geführt. Flüsse, einst Symbole der Reinheit, sind heute von Verschmutzung und illegaler Ressourcennutzung betroffen. Abfallprobleme und ein unzureichend entwickeltes Recyclingsystem bedrohen die Umwelt zusätzlich.

Eines der deutlichsten Beispiele für Dystopie ist die Entwicklung von Energieprojekten, die Umweltstandards oft missachten. Kleine Wasserkraftwerke, obwohl als „grüne Energie“ angepriesen, zerstören in vielen Fällen Flussökosysteme und bedrohen die Artenvielfalt. Dies offenbart einen Widerspruch: Projekte, die zum Naturschutz beitragen sollen, werden zu dessen Feind. Natürlich genoss dieser Feind die Unterstützung von Kollaborateuren der Besatzer, denn die Besetzung der Flüsse ist in Wirklichkeit der treffende Ausdruck für das, was geschah.

Der Tourismus, als eine der Schlüsselbranchen, erfüllt eine Doppelrolle. Einerseits fördert er die wirtschaftliche Entwicklung, andererseits übt er enormen Druck auf die natürlichen Ressourcen aus, insbesondere in der Sommersaison. Übermäßige Bautätigkeit und ein Anstieg der Touristenzahlen ohne ausreichende Infrastruktur führen zu Umweltverschmutzung, Überlastung und Landschaftszerstörung. Der Ökotourismus ist leider in den Hintergrund gerückt und muss dringend wieder an Bedeutung gewinnen.

Die ökologische Dystopie Montenegros bedeutet nicht, dass die Utopie gänzlich verloren ist, sondern dass sie ernsthaft gefährdet ist. Sie verdeutlicht die Diskrepanz zwischen erklärten Zielen und tatsächlichem Handeln. Doch gerade diese Dystopie kann ein Anstoß für Veränderung sein. Lösungen sind vorhanden: die Stärkung gesetzlicher Bestimmungen, eine strengere Kontrolle ihrer Umsetzung, Investitionen in Umweltbildung und die Entwicklung nachhaltiger Tourismus- und Energiemodelle.

Der europäische Integrationsprozess zielt auf die Verbesserung des Rechtsrahmens ab, doch dies wird nur sichtbar, wenn dieser nicht wirkungslos bleibt. In den letzten zwei Jahren stand Kapitel 27 häufig im Fokus der Öffentlichkeit, und die Art und Weise, wie dieses äußerst komplexe und kostspielige Kapitel behandelt wird, motiviert die Bürger leider nicht ausreichend zur Unterstützung.

Und dieses Jubiläumsjahr 2026, das 20-jährige Bestehen Montenegros, birgt ein weiteres wichtiges Datum: den 35. Jahrestag der Verabschiedung der Erklärung über einen ökologischen Staat. Keine der Ankündigungen zu den Feierlichkeiten steht jedoch in Verbindung mit der ökologischen Philosophie. Ganz im Gegenteil. Musikalische Veranstaltungen und Events aller Art, bei denen man zwar den Grundsatz „Abfall ist kein Müll, sondern eine Ressource“ anwenden kann, tragen nicht das bekannte Label „Wilde Schönheit“, das für Montenegro so wichtig ist.

Montenegro befindet sich heute im Spannungsfeld zwischen seiner utopischen Vision und einer dystopischen Realität. Die Zukunft wird davon abhängen, ob die Gesellschaft die Bedeutung des Naturschutzes nicht nur als Ideal, sondern auch als Verpflichtung erkennt.

Nur durch verantwortungsvolles Handeln ist es möglich, die Idee eines ökologischen Staates zu erneuern und sie von einem unerreichbaren Traum in eine realisierbare Wirklichkeit zu verwandeln. Und das liegt an uns, nicht an anderen.

Wir sind schuldig für das Geschehene, und wir können auch für ein besseres Morgen "schuldig" sein.

Ich möchte mit Njegoš abschließen.

„Die Zeit ist ein Meistersieb, sie wird diese Dinge klären.“

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(Die in der Rubrik „Kolumnen“ veröffentlichten Meinungen und Ansichten entsprechen nicht unbedingt der Meinung der „Vijesti“-Redaktion.)