Frankreich und Montenegro – eine lange Geschichte der Zusammenarbeit und des gegenseitigen künstlerischen Einflusses
Vor fast zwei Jahrzehnten war Frankreich eines der ersten Länder, das Montenegro offiziell anerkannte. Am 13. Juni 2006, nur zehn Tage nach der Unabhängigkeitserklärung, nahmen diese beiden Länder diplomatische Beziehungen auf, die sich seitdem kontinuierlich weiterentwickeln. Heute stehen diese Beziehungen im Einklang mit dem Bestreben Montenegros, in den kommenden Jahren Mitglied der Europäischen Union zu werden. Frankreich unterstützt dieses Bestreben sowohl politisch als auch durch fachliche Unterstützung.
Die gemeinsame Geschichte Frankreichs und Montenegros reicht jedoch weit zurück, weit vor die 2000er Jahre. Die Beziehungen zwischen Frankreich und Montenegro können als ein langer gegenseitiger künstlerischer Austausch beschrieben werden, der gelegentlich durch geopolitische und militärische Turbulenzen, wie beispielsweise den Napoleonischen Feldzug, unterbrochen wurde. Während dieser Zeit war die Stadt Herceg Novi unter Napoleon I. kurzzeitig Teil des französischen Kaiserreichs, bevor sie 1813 von montenegrinischen Streitkräften zurückerobert wurde. Später, während des Ersten Weltkriegs, wurde Frankreich ein Verbündeter Montenegros und bot König Nikola I. Unterstützung und Zuflucht. Sein Nachfahre, der heutige Kronprinz Nikola Petrović-Njegoš, wuchs ebenfalls in Frankreich auf und wurde dort ausgebildet, wo er eine Ausbildung zum Architekten absolvierte, bevor er in das Land seiner Vorfahren zurückkehrte.
Neben geopolitischen Aspekten haben sich Frankreich und Montenegro auch durch ihre Kunst gegenseitig inspiriert und beeinflusst. Unter den zahlreichen montenegrinischen Künstlern, die in Frankreich und auf der internationalen Bühne große Erfolge erzielt haben, ragt der Maler Miodrag Đurić (1933–2010), bekannt als Dado, hervor. Er wurde in Cetinje geboren und studierte an der Kunstakademie in Herceg Novi und Belgrad, bevor er in Paris vom Maler Jean Dubuffet und dem Galeristen Daniel Cordier entdeckt wurde. Als vielseitiger Künstler erkundete Dado verschiedene Kunstformen – von der Malerei auf Leinwand über Skulptur und Holzschnitt bis hin zur digitalen Kunst. Dennoch blieb seine Heimatstadt eine wichtige Inspiration für die opulenten und vielfältigen Werke, die er im Laufe von fast sechs Jahrzehnten schuf.
Heute ist die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Montenegro vielfältig, was Frankreich zu einem der wichtigsten europäischen Partner Montenegros macht! Vom montenegrinischen Filmzentrum, das sich für die Förderung von Koproduktionen mit dem französischen Nationalen Zentrum für Kinematographie einsetzt, über zahlreiche Universitätsaustausche, die die Universität Montenegro mit den Universitäten Côte d'Azur, Cannes Normandie und Paul Valéry in Montpellier durchführt, bis hin zu künstlerischen Kooperationen – Austauschen zwischen dem Nationalballett von Montenegro und französischen Choreografen sowie zwischen dem montenegrinischen Symphonieorchester und französischen Solisten. Die berufliche Mobilität zwischen diesen beiden Ländern ist umfangreich und wächst ständig!
Die aktuellen französisch-montenegrinischen Beziehungen – eine multisektorale Zusammenarbeit in ständiger Entwicklung
Die modernen französisch-montenegrinischen Wirtschaftsbeziehungen sind durch sektorübergreifende Zusammenarbeit und Investitionen geprägt, insbesondere in den Bereichen Energie, Umweltschutz, Verkehrsinfrastruktur, Gesundheitswesen und Verteidigung. Immer mehr französische Unternehmen sind bereits in Montenegro tätig oder erkunden Möglichkeiten zur Geschäftserweiterung, da sie dieses Land als vielversprechenden Markt mit zahlreichen Chancen erkennen!
Im Energiesektor betreibt der französische Konzern Akuo den Windpark Krnovo, der 30.000 Menschen, also 5 % der Gesamtbevölkerung Montenegros, mit Strom versorgt. Dieses Projekt trägt zum ökologischen Wandel des Landes bei, im Einklang mit der Verfassung, die das Land als ökologischen Staat definiert. Im Bereich Umweltschutz hat das französische Unternehmen Valgo im Jahr 2024 ein Großprojekt zur Sanierung und Dekontaminierung der ehemaligen Werft in Bijela erfolgreich abgeschlossen.
Auch Unternehmen der Pharma- und Kosmetikbranche wie Loreal, Sanofi und Servier sind in Montenegro vertreten.
Auch im Flughafensektor sind französische Unternehmen vertreten, sei es die ADP-Gruppe (Aérodromes Paris) oder die Airbus-Gruppe. Ihr Interesse wird nicht nur dadurch geweckt, dass sie auf ihren Gebieten weltweit führend sind, sondern auch durch den Tourismus zwischen den beiden Ländern. Im Jahr 2024 besuchten fast 100.000 französische Touristen Montenegro und gehörten damit zu den zahlreichsten Touristen aus der Europäischen Union!
Frankreich und Montenegro haben eine Gemeinsamkeit: die Bedeutung des Tourismus für ihre Volkswirtschaften, was die Aussichten auf eine Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Ländern weiter stärkt!
Aktuelle französisch-montenegrinische Beziehungen: Zusammenarbeit in Sport und Kultur
Neben dem wirtschaftlichen Aspekt werden die französisch-montenegrinischen Beziehungen auch durch Sport und Kultur gestärkt.
Frankreich und Montenegro teilen eine echte Leidenschaft für Mannschaftssportarten. In beiden Ländern zählen Handball und Fußball zu den beliebtesten Sportarten. Mehrere französische Sportler haben sich den montenegrinischen Mannschaften angeschlossen, insbesondere den Damen- und Herren-Handballteams, wie beispielsweise Armelle Attingré und Didier Dinart.
Armel Atingre, eine international bekannte französische Handballspielerin mit Ursprung an der Elfenbeinküste, die in Paris ausgebildet wurde, schloss sich 2020 dem Team von Budućnost Podgorica an. Ihre Erfahrung und ihre außergewöhnlichen Ergebnisse in der Champions League ermöglichten es ihr, 2022 Torwarttrainerin der montenegrinischen Nationalmannschaft zu werden und anschließend an den Qualifikationsturnieren für die Olympischen Spiele 2024 teilzunehmen.
Der dreifache Weltmeister und ehemalige Trainer der französischen Nationalmannschaft, Didier Dinar, ist seit kurzem Teil des montenegrinischen Handballs. Der berühmte französische Handballspieler wurde im November 2024 zum Trainer der montenegrinischen Herren-Handballmannschaft ernannt. Mit einer beeindruckenden Erfolgsliste – 379 Einsätze für die französische Nationalmannschaft und 10 Goldmedaillen bei großen internationalen Wettbewerben – ist es sein Ziel, die Nationalmannschaft in Montenegro zur Europameisterschaft 2026 zu führen. Diese Zusammenarbeit ist vielversprechend und es wird interessant sein, ihre Entwicklung zu verfolgen.
Die französische Sprache und Kultur sind in Montenegro nicht weniger vertreten als der Sport – im Gegenteil, sie sind sehr präsent und entwickeln sich ständig weiter! Montenegro ist seit 2010 Mitglied der Internationalen Organisation der Frankophonie mit Beobachterstatus. Im ganzen Land sind verschiedene Organisationen aktiv, die das Erlernen der französischen Sprache fördern, darunter der Verband der Französischlehrer Montenegros, der Verein Avenir mit Sitz in Herceg Novi, die Französische Schule in Podgorica sowie das unverzichtbare Französische Institut Montenegros.
Zusätzlich zu den Französischkursen organisiert das Französische Institut in Montenegro das ganze Jahr über verschiedene kulturelle Veranstaltungen, mit besonderem Schwerpunkt auf dem „Monat der Frankophonie“. Jedes Jahr im März organisieren das Institut und seine montenegrinischen Partner verschiedene Aktivitäten im ganzen Land: Ausstellungen, kostenlose Filmvorführungen, Konzerte, Performances in Kooperation mit Partnerinstitutionen sowie Meisterkurse und Workshops in verschiedenen Bereichen. Auf diese Weise erhält die Frankophonie in Montenegro die Förderung und Präsenz, die sie verdient!
Abgesehen davon, dass das Erlernen der Sprache Molières Freude bereitet, ist die Kenntnis der französischen Sprache für die Bürger Montenegros ein großer beruflicher Vorteil. Angesichts der zahlreichen Geschäftsmöglichkeiten im Tourismussektor und des bevorstehenden Beitritts Montenegros zur Europäischen Union verfügt die französische Sprache über alle Voraussetzungen, um in den kommenden Jahren zu einer der wichtigsten Arbeitssprachen des Landes zu werden.
Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit dem Französischen Institut von Montenegro im Rahmen des Projekts „Europa für uns“.
Testen Sie nächste Woche Ihr erworbenes Wissen über Frankreich und seine Gastronomie und Kultur im Quiz, das vom Französischen Institut Montenegro und Vijesti organisiert wird.
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