Was können die jemenitischen Huthis tun und was wollen sie?

Nach einer zweimonatigen Pause haben die Huthis Israel erneut angegriffen und drohen mit einer Blockade des Roten Meeres. Experten sehen hinter dieser Unterstützung für Iran sowohl innenpolitische Motive als auch regionale Machtinteressen.

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Nach einer zweimonatigen Pause haben die Huthi-Milizen im Jemen Israel erneut angegriffen. Ihr Militärsprecher Yahya Sari erklärte am Montag (8. Juni), Raketen seien auf Israel abgefeuert worden, und kündigte gleichzeitig eine vollständige Blockade der israelischen Schifffahrt im Roten Meer an. Sämtliche israelischen Bewegungen in diesem Gebiet würden fortan als militärische Ziele betrachtet. Laut israelischen Angaben wurde am Dienstag auch ein Angriffsversuch aus dem Jemen auf Israel unternommen. Offenbar entstanden keine größeren Schäden, da frühere Angriffe größtenteils abgewehrt worden waren.

Diese Ankündigung fiel zeitlich mit erneuten gegenseitigen Angriffen Israels und Irans zusammen und sollte als Unterstützung für das mit den Houthi verbündete iranische Regime verstanden werden.

Beide Seiten – Iran und Israel – erklärten am Montag die direkte militärische Konfrontation zumindest vorläufig für beendet.

Warum kehren die Huthis in dieser speziellen Situation an den Schauplatz zurück?

Für den in Jordanien lebenden Politikwissenschaftler Abdulghani Al-Iriani vom jemenitischen Thinktank „Sanaa Center for Strategic Studies“ (SCSS) liegt die Antwort vor allem im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon – den der Iran unter anderem zur Rechtfertigung seiner jüngsten Militäraktionen gegen Israel herangezogen hat.

„Der israelische Vormarsch im Libanon hat in der jemenitischen Bevölkerung so großen Unmut ausgelöst, dass die Huthis zum Handeln gezwungen waren“, sagte er in einem Interview mit der DW. Mit diesen Angriffen hätten sie gleichzeitig die Erwartungen ihrer Anhänger sowie der Hisbollah und des Irans, mit denen sie verbündet sind, erfüllt.

Al-Irijani rechnet jedoch nicht damit, dass die Miliz eine umfassende Blockade des Roten Meeres wiederaufnehmen wird. Ein solcher Schritt würde die Beziehungen zu Saudi-Arabien schwer belasten, und der Jemen ist wirtschaftlich von seinem nördlichen Nachbarn abhängig.

„Es wäre beinahe selbstmörderisch, diese Beziehungen zu zerstören“, sagte Al-Irijani. Wahrscheinlicher seien begrenzte Maßnahmen gegen Schiffe mit direkter Verbindung zu Israel. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Huthis weitere Schritte unternehmen werden.“

„Interne Legitimität und äußere Machtdemonstration“

Christoph Leonhart, stellvertretender Geschäftsführer des Berliner Beratungsunternehmens Middle East Minds und Experte für paramilitärische Gruppen, sieht die Sache etwas anders. Aus der Sicht der Huthi ist der Raketenbeschuss in erster Linie ein politisch-strategisches Signal.

„Der Beschuss Israels dient weniger einem klar definierten operativen Ziel als vielmehr der internen Legitimation und der externen Machtdemonstration“, sagte Leonhart gegenüber der DW.

Es muss jedoch zwischen direkten Angriffen auf israelisches Territorium und der Abschreckung auf See unterschieden werden. Selbst wenn die Huthis von weiteren Raketenangriffen absehen, könnten sie ihre Aktivitäten im Roten Meer fortsetzen.

„Daher werden die Huthis wahrscheinlich weiterhin gezielte, aber effektive Operationen durchführen, beispielsweise in der Meerenge Bab al-Mandab, während eine direkte Eskalation mit Israel aufgrund begrenzter Kapazitäten unwahrscheinlich bleibt“, analysiert Christoph Leonhart.

Die Huthis sind weiterhin auf die Unterstützung Teherans angewiesen. Iran unterstützt die Miliz im Rahmen seiner „Achse des Widerstands“, so Leonhart. Teheran liefere Waffen, Ausbildung und strategische Unterstützung, während die Huthis ihre operative Unabhängigkeit bewahrten, erklärt er.

Experten vertreten unterschiedliche Ansichten über das Ausmaß der tatsächlichen Abhängigkeit der Huthis vom Iran.

"Ernsthafte Militärmacht"

Trotz erheblicher Verluste in den letzten Jahren stellen die Huthis nach wie vor eine ernstzunehmende militärische Kraft dar, so die jüngste Einschätzung der International Crisis Group (ICG). Die Miliz sei „bei Weitem keine geschwächte Macht“. Ihre Aktionen dienten sowohl der Unterstützung Irans als auch der Sicherung ihrer eigenen politischen Zukunft.

Die ICG geht außerdem davon aus, dass die Angriffe der Huthis auf Israel teilweise innenpolitisch motiviert sind. Seit Beginn des Gaza-Krieges haben sie sich zunehmend als Teil eines regionalen Bündnisses gegen Israel und die Vereinigten Staaten positioniert und damit ihre Popularität und ihren Anspruch auf regionale Vormachtstellung gestärkt. Gleichzeitig könnte die Konfrontation mit einem äußeren Feind von den anhaltenden wirtschaftlichen Problemen Jemens ablenken, so die Analyse der ICG.

Gleichzeitig sind ihre Fähigkeiten begrenzt. Ein langwieriger Konflikt könnte ihre Raketen-, Drohnen- und Munitionsbestände aufzehren, so die Analyse der ICG. Zudem ist unklar, inwieweit der Iran seine Verbündeten künftig noch unterstützen könnte, sollte er selbst unter noch größeren militärischen Druck geraten.

Regionale Machtambitionen

Leonhart hält weitere Aktionen jedoch für denkbar. Die Huthis sind zwar militärisch von Iran abhängig, verfolgen aber ihre eigenen strategischen Ziele und hegen regionale Machtambitionen. Selbst ein stabiler Waffenstillstand zwischen Israel und Iran würde sie seiner Ansicht nach nicht automatisch von weiteren Angriffen abhalten.

Die wahre Stärke der Huthis liegt weniger in der konventionellen Kriegsführung, sondern vielmehr in ihrer Fähigkeit, mit Drohnen, Raketen und Angriffen auf Handelsrouten erheblichen wirtschaftlichen Schaden anzurichten. Insbesondere ihre militärisch vorteilhafte Position und die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab verleihen ihnen strategisches Gewicht.

„Eine Ausweitung der maritimen Aktivitäten der Houthi könnte die Stabilität der globalen Ölversorgung weiter gefährden und die Energiepreise weiter in die Höhe treiben“, sagt Leonhart.

Risiken nach der Huta selbst

Größere Angriffe würden jedoch auch erhebliche Risiken für die Miliz selbst bergen. Der saudische Journalist Abdulrahman Al-Rashed schrieb auf der Plattform X, der Iran habe nun seinen „dritten Arm“ mobilisiert. Dieser könnte potenziell die Schifffahrt in der Meerenge Bab al-Mandab gefährden. Zwar erhöht eine solche Bedrohung den Druck auf die Gegner des Irans, doch steigt dadurch auch das Risiko, dass Gegenangriffe die verbleibenden militärischen Kapazitäten der Huthis zerstören könnten.

Der jemenitische Politikwissenschaftler Abdulkarim Ganem vertritt ein ähnliches Argument. Gegenüber dem jemenitischen Fernsehsender Shabab erklärte er, die Huthis seien durchaus in der Lage, eine Teilblockade der Meerenge zu verhängen. Eine vollständige Blockade käme jedoch einem „strategischen Selbstmord für Teheran“ gleich.

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